Unsere Kooperation

Die Idee

2015 hatte Christine Lippert als damalige Koordinatorin für Schulbegleitungen bei der Rummelsberger Diakonie zusammen mit der Lernwirkstatt Inklusion die Idee, einen Fachtag zum Thema „Schulbegleitung“ durchzuführen.

Wir waren noch ein kleiner Dienst, aber die Probleme waren schon riesengroß.
Inklusion war in Bayern auch sieben Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention für viele noch ein Fremdwort. Kinder mit Förderbedarf besuchten in aller Regel die Förderschule. Wollten sie an die Regelschule, waren Lehrkräfte oftmals uninformiert, völlig überfordert, Kinder wurden schnell ausgegrenzt, Eltern standen vor bürokratischen Hürden. Ohne Schulbegleitungen funktionierte es im Schulalltag oft schlecht. Aber unsere Schulbegleitungen hatten keine oder die unterschiedlichsten Ausbildungen, die Anforderungen der täglichen Arbeit waren herausfordernd und die Bedingungen so unterschiedlich wie die Anzahl der Schulen, an denen die Schulbegleitungen eingesetzt waren. Nichts war wirklich geregelt, die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften anhängig vom Wohlwollen der beteiligten Personen. Die Zuständigkeiten des Sozialministeriums und des Kultusministeriums waren alles andere als einfach durchschaubar.

Wir hatten uns überlegt, ob wir in diesem Arbeitsfeld überhaupt mitarbeiten sollen. Aber was wäre die Alternative? Die Schulbegleitungen sind im bestehenden Schulsystem die einzige Möglichkeit, dass Kinder überhaupt an Schule, insbesondere an Regelschule teilhaben können. Bei aller Kritik: Wenn wir etwas in Richtung Inklusion erreichen wollen, dann müssen wir versuchen, das System Schulbegleitung voranzubringen und zu verbessern.

Leider hat sich an der Situation bis heute noch nicht viel verändert. Deshalb wollten wir das Gespräch und den Austausch mit allen Beteiligten voranbringen. Die Lernwirkstatt Inklusion war sofort mit im Boot – klar, das Ringen um einen guten Weg zu inklusiver Bildung ist ihr Kernanliegen. Dass wir mit dem ISPN auch die Seite der Lehrkräfte als Kooperationspartner gewinnen konnten, hat uns besonders gefreut.

Die Entwicklung

Der erste Fachtag: Politische Aspekte

Unser 1. Fachtag für Lehrkräfte, Eltern, Schulbegleiter u.a. Interessierte fand 2016 in Nürnberg statt. Dieser stand unter dem Motto: „Schulbegleitung und Unterricht: Teilhabe und gemeinsames Lernen gestalten“.

Ziel war ein fachlicher Austausch unter allen Beteiligten, sowie die Weiterentwicklung der Qualität des Konzepts „Schulbegleitung”. Dr. Dworschak (LMU) erläuterte in seinem Vortrag den wissenschaftlichen Forschungsstand zum System Schulbegleitung. Prof. Dr. Lotz (EvHN Nürnberg) betrachtete die Schulbegleitung aus heilpädagogischer Sicht im Rahmen der Inklusion.

Am Ende des Fachtages wurden Thesen und Forderungen formuliert und in einem offenen Brief an Frau Badura, die damalige Beauftragte für die Belange behinderter Menschen bei der bay. Staatsregierung und Schirmherrin der Lernwirkstatt Inklusion übergeben. Sie finden die Forderungen auf der Homepage der Lernwirkstatt.

Der zweite Fachtag: Antworten auf den Schulalltag/Unterrichtspraxis

Der 2. Fachtag Schulbegleitung fand 2018 an der FAU an der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie, Department Pädagogik,   in Nürnberg statt. Das Thema war „Unterricht und gemeinsames Lernen gestalten”.

In den 10 Workshops wurden einzelne Arbeitsfelder und Herausforderungen für Schulbegleitungen sowie Best Practise Beispiele aus einer Schule mit dem Schulprofil Inklusion in den Blick genommen. Rechtliche Aspekte wurden erläutert und immer wieder das Thema Umsetzung von Inklusion im Bildungsbereich mit Hilfe von Schulbegleitung diskutiert.

Der 3. Fachtag Schulbegleitung „In der Schule gemeinsam leben und lernen“ war für das Jahr 2020/2021 geplant und musste pandemiebedingt ausfallen.

Fachtagungswoche „Schulbegleitung in besonderen Zeiten“

Die Dringlichkeit ergab sich aus der aktuellen Situation an den Schulen. Mit einem besonderen Blick auf das Wohlergehen der Schüler:innen und Schulbegleiter:innen haben wir diese online-Reihe geplant.

Hier einige Stichworte zur Ausnahmesituation an den Schulen in den vergangenen zwei Jahren der Corona- Pandemie:

  • März 2019: Schulen und Spielplätze sind geschlossen
  • Eine Notbetreuung wird eingerichtet für:
    – Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 – 6
    – Schülerinnen und Schüler mit Behinderung oder einer Beeinträchtigung, die eine Betreuung notwendig macht
    – alle Schülerinnen und Schüler von Förderzentrum einschließlich der schulvorbereitenden Einrichtungen
    – Kinder, deren Eltern keinen Urlaub nehmen können oder vom Arbeitgeber nicht freigestellt werden und für Eltern, die einen dringenden Betreuungsbedarf haben
    – Kinder, bei denen das Jugendamt zur Sicherstellung des Kindeswohls Betreuung für das Kind anordnet
    – Kinder, deren Eltern Anspruch auf Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 ff (SGB VIII) haben
  • Distanzunterricht sollte online stattfinden. Doch an vielen Schulen waren die Lehrkräfte nicht vorbereitet oder es fehlte die digitale Grundausstattung in der Schule und sehr oft auch zu Hause.

Seit dem Schuljahr 2021/22 findet nun – wann und wo immer möglich – Unterricht in Präsenz stattfinden. Doch die Situation an vielen Schulen ist weiterhin geprägt von

  • den alltäglichen Ausnahmesituationen,
  • dem Testen im Klassenverband (viele Schülerinnen und Schüler auch im Grundschulbereich führen diese Tests schon sehr routiniert durch)
  • der veränderten Atmosphäre (im Raum vor der Schulleitung herrscht eine Atmosphäre wir im Labor, erkrankte Kinder müssen sofort in Quarantäne und von den Eltern aus der Schule abgeholt werden)
  • vielen Erkrankungen /Quarantäne bei Lehrkräften und pädagogischem Personal,
  • häufigem Unterrichtsausfall, Förderunterricht findet kaum noch statt

In vielen Klassen sind die Lehrkräfte sehr froh, dass in dieser schwierigen Zeit besonders belastete Kinder mit Hilfe der Schulbegleiter weiterhin im Unterricht dabei sein konnten. Schulbegleitung wird als Hilfe im schulischen Alltag erlebt.

Und nun verstört uns alle zusätzlich noch der Krieg in der Ukraine…

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